Wundersame Genesung?

Jetzt sind es schon wieder eineinhalb Jahre her, dass Soraya mit ihrer schweren Beinverletzung in ein kleines Paddock verbannt worden ist. Wir hatten im März schon darüber  berichtet, dass sie erstaunlicherweise wieder normal auftreten und sogar auch galoppieren konnte – allerdings ohne Reiter. Der Augenblick der Wahrheit kam jetzt. Heike wollte es auf jeden Fall versuchen. Ihre Soraya hatte ihr im gesunden Zustand so viel Freude bereitet, dass sie die Hoffnung einfach nicht aufgeben wollte. Erst ein bisschen im Schritt, später dann auch Trab.

Erstaunlicherweise zeigte Soraya keine Beeinträchtigungen. Natürlich sieht man, dass ihr linkes Karpalgelenk vorne dicker ist als das rechte, aber es ist durch das Reiten weder dicker geworden, noch hat es sich sonst irgendwie verändert.

Schmerzen hatte Soraya ganz sicher keine. Wie beim Natural Horsemanship üblich geht Heike auch hier langsam Schritt für Schritt voran. Keine Gewalt, keine Hektik. Da Soraya immer schon Freude an der Bewegung mit und ohne Reiter hatte, sieht man ihr auch jetzt an, ob sie Spaß an der der Arbeit hat oder nicht. Und sie hat Spaß! Trotzdem haben die Galoppaden noch Zeit.

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Vier helfende Hände

Rolitha und Laura kamen eigentlich um zu lernen. Rolitha von der Landwirtschaftsschule auf Krumhuk bei Windhoek und Laura direkt nach dem Abitur auf einer schwäbischen Schule. Die beiden gehören zu den Praktikantinnen, denen es gelingt, sich sehr schnell sehr nützlich zu machen. Das ist ohnehin ein geflügeltes Wort bei uns: “Auf einer Farm muss sich jeder nützlich machen!”

Rolithas Ausbildungsstoff auf Krumhuk ist vor allem die Hauswirtschaft – auch putzen und die Gästezimmer liebevoll richten – aber eben auch die Küche. Da war sie eine große Hilfe, und man konnte erkennen, dass diese junge Generation mit der richtigen Anleitung schnell den modernen Standard erreichen kann. Na ja, schnell – in der Aufnahmefähigkeit auf jeden Fall, bei der Arbeit aber gibt es noch reichlich Nachholbedarf. Afrikas Sonne ist nun einmal nicht geschwindigkeitsfördernd. Das lernen auch die Europäer schnell.

Bei Laura allerdings – sie ist drei Monate bei uns – ist das afrikanische Schlurftempo noch nicht erkennbar. Vielleicht muss sie dafür einfach länger hier sein. Schnell erkennbar war aber, dass man ihr nicht lange sagen muss, wo die Arbeit zu finden ist. Sie sieht sie. Und da sie trotz ihres jungen Alters – sie ist bei uns 20 geworden – eine geübte Westernreiterin ist, nützt sie – siehe oben – den Pferden und damit auch uns. Ihr musste man auch nicht erklären, was Natural Horsemanship ist. In den ersten Tagen allerdings hat sie noch schmerzhaft ihr Smartphone vermisst, das sie in Deutschland vergessen hatte. Sie hätte die Chance gehabt, es sich von einem Gast mitbringen zu lassen. Aber das wollte sie plötzlich nicht mehr. Sie hatte sich hier in diese andere Welt schon so eingelebt, dass das, was in Deutschland scheinbar zum Überleben gehört, hier plötzlich keinen Stellenwert mehr hatte.

 

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Ein ungeliebter Job

Das macht keiner gerne – kein Farmer und auch kein Farmarbeiter: Rohre aus einem Bohrloch ziehen. Das birgt so viele Risiken, dass etwas schief gehen kann. Wenn die Rohre ins Bohrloch fallen, wäre es nicht das erste Mal, dass nichts mehr geht und man für teures Geld neu bohren müsste. Von der Verletzungsgefahr ganz zu schweigen. Wir haben uns daher angewöhnt, die Rohre mit dem Auto zu ziehen. Das schont Menschenkraft und Gesundheit, nicht aber das Auto. Die Kupplung muss meistens als erstes dran glauben. So war es auch diesmal am Mittelposten.

16 Rohre zu drei Meter waren zu ziehen – einmal raus und dann mit derselben Geduld wieder zurück. Und das dreimal, weil immer noch kein Wasser kam. Jetzt kommt wieder Wasser – das Bohrloch hätte ja auch trocken sein können – und die Rinder konnten wieder dorthin gestellt werden, wo sie im Moment hingehören. Nun sage mir keiner, warum nehmt ihr nicht eine elektrische Seilwinde. Ganz einfach – wie haben keine, weil es 25 Jahre lang auch per Hand ging. Aber auch Farmarbeiter werden bequemer und wollen Technik nutzen. Wer will es ihnen verdenken. Nur leider benutzen sie Technik so lange wie sie funktioniert. Macht die schlapp, fragen sie nach der nächsten Technik, anstatt durch Wartung und Achtsamkeit die Technik zu schonen. “Mister, nimm doch das andere Auto….”

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Nächtlicher Besuch

Da wir zur Zeit mit Berta einen jungen Hund im Schlafzimer haben, gibt es nachts schon mal ungewohnte Geräusche. Ich habe mich daran besser gewöhnt als Heike. Außerdem wacht sie auch nachts über ihren Garten. Verständlich, wenn sie sich morgens ansehen muss, was  nächtlicher Besuch regelmäßig aus ihren empfindlichen Aloen und Kakteen gemacht hat. Es war wieder so eine Nacht. Heike erwachte von einem genüsslichen Schmatzen schneller als ich und mit ihr die Hunde Sando und Emma. Berta hat mit ihren 15 Wochen noch den gesunden Schlaf eines jungen Rauhhaarteckels. Sando und Emma waren also schneller als ich und stellten den nächlichen Besuch – allerdings sehr vorsichtig, denn es war, was wir vermutet hatten – ein Stachelschwein.

Diese nachtaktiven Nager sind zwar nicht wirklich gefährlich für clevere Jagdhunde, aber umgekehrt auch nicht. Dafür sorgt schon der imposante Stachelfächer am Hinterteil. Das ist dann auch das, was ein potentieller Gegner als Erstes zu sehen bekommt.

Davor haben sogar Löwen Respekt. Lautes Bellen in sicherer Entfernung hatte den Gartenschreck zumindest schnell verjagt. Die Hoffnung aber, dass er nun für längere Zeit vor dem wütenden Trio – Heike, Sando, Emma – Angst haben könnte, erfüllte sich leider nicht. Der Garten sieht entsprechend aus.

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Einer gegen Alle

Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen und zum Glück auch noch fotografiert hätte – ich würde es nicht glauben. Ich erlebte dieser Tage das Dramatischste, Packendste aber auch Anrührendste, was mir die Natur Afrikas bisher geboten hat. Und das ist nicht wenig. Besonders beeindruckt  mich immer wieder das einmalige Sozialverhalten der Elefanten. Das aber war völlig anders. Ein  kleiner Honigdachs – maximal 15 kg schwer – legte sich gleich mit mehreren Warzenkeilern an, die bis zu 70 kg auf die Waage brachten.

Warum er das tat, wurde mir leider nicht ganz klar. Es gab drei Möglichkeiten dafür: Es konnte ein Kampf um den letzten Tropfen Wasser sein, oder er wollte sich eines der kleinen Frischlinge schnappen. Am ehesten glaube ich allerdings, dass er einfach ein unglaubliches Kämpferherz hat und sich von den grauen Brummern nicht den Schneid abkaufen lassen wollte. Wer die Auseinandersetzung begann, war nicht ganz deutlich.

Sicher ist aber, dass der Dachs immer wieder in die Offensive ging. Da konnte passieren was wollte. Er flog mehrfach durch die Luft, humpelte bald und hatte eine blutende Verletzung am Hals.

Das Alles hielt ihn nicht auf. Er attackierte immer wieder, legte zwar kurze Verschnaufpausen ein, um seine Wunden zu lecken bzw. mit Sand abzudecken, dann aber ging es wieder vorwärts, bis es ihm schließlich gelang, Stück für Stück die Keiler zum Rückzug zu bewegen. So sah es wenigstens aus. Manchmal nahmen sie sogar reißaus.

 

In Wirklichkeit wird es wohl so gewesen sein, dass die Keiler schließlich einer nach dem anderen die Wasserstelle erobert und die Menge getrunken hatten, die sie brauchten, um zufrieden von dannen zu ziehen. Verletzungen waren bei ihnen keine zu entdecken. Wie auch? Dafür ist ihre körperliche Überlegenheit zu groß. Außerdem hat sich der mutige kleine Kerl gerade eines von den afrikanischen Tieren als Gegner ausgesucht, die ebenfalls für ihre Kampfmoral bekannt sind. Und bei mir sind sie am Ende auch noch wegen ihres Sozialverhaltens in der Achtung gestiegen. Denn zum Schluss noch hat sich eine Szene abgespielt, in die ich möglicherweise ein bisschen hinein interpretiere, aber eigentlich lässt sie keine andere Deutung zu. Ich sprach ja schon von den Frischlingen – es waren übrigens fünf von einer Bache – die standen immer noch mit ihrer Mutter in respektvoller Entfernung von der Wasserstelle. Weder Bache noch Frischlinge hatten bis jetzt einen Tropfen ergattern können.

Als alle großen Keiler weg waren, blieb ein kleinerer – ich nenne ihn den jungen Kavalier – übrig, ging zu der wartenden Bache, tauschte ein paar Worte mit ihr aus – ja, genau so sah es aus, als ob er ihr gesagt hat: Pass auf, ich erledige das für dich! Und das tat er dann auch tatsächlich. Er stellte den Honigdachs nahe der Wasserstelle und lieferte im  ein letztes, heftiges Gefecht. Nach wieder mutigem Widerstand gab der Dachs dann doch nach und trollte davon. Zwischendurch war ich immer wieder kurz davor, durch einen Warnschuss dem Ganzen ein Ende zu bereiten und dem Dachs möglicherweise das Leben zu retten. Irgendwie war ich mir aber sicher, dass er das nicht gewollt hätte.

Apropos Sozialverhalten der Warzenschweine: Der junge Kavalier hatte zwar sein Versprechen eingelöst, ging aber trotzdem erst einmal vor der Bache und den Frischlingen an die Tränke. Die allerdings bekamen dann doch noch genug ab. Nach gut einer halben Stunde leerte sich die Freilichtbühne und wer erschien, quasi um sich den Aplaus abzuholen? Der Dachs natürlich! Schwer angeschlagen, aber offensichtlich nicht lebensbedrohlich verletzt. Er ging zum Wasser, buddelte mal hier und mal da, legte sich in eine Sandkuhle wie in ein Krankenbett und war ausschließlich nur noch mit sich selbst beschäftigt. So sehr, dass ich mich bis auf zehn Meter an ihn heranpirschen konnte, um dieses Foto zu machen.

Noch mehr Fotos von diesem einmaligen Naturerlebnis findet ihr  in der Fotogalerie unter “Tierwelt”.

 

 

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Schwein frisst Affen

Man lernt doch nie aus. Jahrzehnte habe ich in dem Glauben gelebt – gestützt durch Literatur und eigene Beobachtungen – dass unsere Warzenschweine reine Vegetarier seien. Nie habe ich eines dieser Schweine an frischem Fleisch oder gar Aas gesehen. In Dürrezeiten, in denen besonders die Schweine Not leiden, habe ich u.a. versucht, ihnen Panseninhalt von erlegten Kudus oder Oryx anzubieten. Immer ohne Erfolg. Jetzt glaubte ich plötzlich, meinen Augen nicht trauen zu können. Ein zu Tode gekommener Pavian wurde zunächst von zwei halbstarken Schweinen beschnüffelt und  – wie oft üblich bei ihnen – durch die Gegend geschubst.

Dann aber machte sich der junge Keiler genüsslich über den Kadaver her. Obwohl deutlich gesehen, wollte ich es immer noch nicht glauben, bis es keinen Zweifel mehr gab. Er schmatzte sichtbar und sein Gebräch wurde immer roter. Der Kadaver sah anschließend auch dementsprechend aus. Dieses Bild erspare ich Euch.

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…und noch ein Farbenrätsel

Die Mutter ist eine dunkle Palominostute. Den Vater kennen wir nicht. Irgendein wilder Hengst aus irgendeinem wilden Busch. Das ist nicht bei uns passiert. So etwas sollte uns auch nicht passieren, wenn wir unsere Zucht ernst nehmen. Die Stute hatten wir schon trächtig gekauft. Nun ist dieses Fohlen Tiara daraus geworden.

Sehr sympathisch aber schüchtern. Schon jetzt mit knapp einem Jahr sieht sie aus wie ein Mustang. Das gefällt uns, wenn unsere namibischen Westernpferde an die Vorfahren aller amerikanischen Westernpferde erinnern. Da gibt es ja ohnehin viele Ähnlichkeiten – auch die vielfältigen, überraschenden Farbvarianten. Mit Tiara haben wir nach Epuko wieder so ein Farbenrätsel. Wer also weiß, was farblich aus Tiara wird, kann hier sein Wissen weitergeben. Besonders interessant: Die graumelierte Mähne einer reiferen Dame.

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Zwei auf einen Streich

Das hatten wir auch noch nie. Eine Kuh hat Zwillinge bekommen. Eine Sensation ist das natürlich nicht. Das passiert immer wieder irgendwo, aber bei uns eben noch nie. Jetzt müssen wir beobachten, wie die Kuh und die Kälber damit klar kommen. Reicht die Milch? Müssen wir zufüttern? Entwickeln sich die Kälber gleichmäßig?

Fast noch interessanter ist ein anderes Ereignis. Eine Färse hat ihre erste Geburt leider nicht überlebt – aber das Kalb. Das passiert immer mal wieder und wir müssen versuchen, das Kalb mit der Flasche aufzuziehen, was uns schon oft geglückt ist.

Diesmal hatte das Schicksal eine andere Variante parat. Eine Kuh, die kurz vor dem Kalben stand, hat sich des Kälbchens angenommen – Stunden bevor sie schließlich selbst kalbte.

Jetzt war natürlich die spannende Frage, ob sie auch nach der Geburt des eigenen Kalbes bereit war, die Rolle der Rinderamme weiter zu spielen. Sie war dazu bereit. Jetzt hoffen wir natürlich, dass das auch so bleibt.

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Regentropfen im August

Das hatten wir noch nie. Regen im August. Natürlich wissen wir längst, dass Afrika und speziell Namibia voller Überraschungen steckt – deswegen lieben wir es ja auch – aber es hat auch immer etwas Beunruhigendes. Was bedeutet es für die nächste Regenzeit? Schon der Klimawandel und mit welchen Folgen? Die Fachleute – in diesem Fall die Meteorologen des Landes und nicht die selbsternannten Wetterfrösche – äußern sich noch nicht dazu. Sie wollen erst im Laufe des Monats Prognosen abgeben. In letzter Zeit lagen sie ja recht gut.

Nun, ehrlich gesagt, Regen ist ja vielleicht auch etwas übertrieben.

Auf Gross-Okandjou hat es nicht einmal zu Sichtbarem im Regenmesser gereicht aber immerhin zu einem äußerlichen Tropfen. In der Wüste allerdings, als wir am 15. August nach Swakopmund fuhren, regnete es deutlich auf etwa 50 Kilometern bis 30 Kilometer vor Swakopmund.

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Dolorits zweiter Streich

Tochter von Hotline und DoloritSie heißt Wah-ta-wah und ist Dolorits zweites Fohlen. Dolorit ist der Hannoveraner Hengst unseres Freundes Manfred, der etwas Muskelmasse in unsere Zucht bringen soll – der Hengst, obwohl von seiner Statur her Manfred dazu auch in der Lage wäre. Wah-ta-wah? Klingelt´s? Coopers Lederstrumpf! Wer hat ihn als Junge nicht gelesen?! Mein Bruder Uwe hat ihn gelesen und hatte die Wahl des Namens, weil das Fohlen an seinem Geburtstag, dem 21. August, geboren wurde.

Wah-ta-wahs Mutter ist die Basotostute Hotline, die bisher leider nicht viel Glück mit ihren Fohlen hatte. Welcome Hope allerdings – ihr einziges bisher – ist eine schöne Fuchsstute geworden mit der Lässigkeit  ihrer Mutter. Im literarischenb Original ist Wah-ta-wah die Mutter von Unkas – dem letzten der Mohikaner.

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