Hart wie Kameldornholz…

…so lautet eine Zeile aus dem alten Südwesterlied. Und wie hart, das hat Johannes am eigenen Leib verspürt. Als er gesehen hatte, dass dieser alte Baum vor unserer Badezimmertür zusammengebrochen ist, war er so leichtsinnig, zu sagen, das mache ich schon. Eigentlich hätte er wissen müssen, was er sich da aufgeladen hat. Nicht nur wir benutzen Kameldornholz gerne zum grillen und räuchern, weil der Geschmack einzigartig ist. Johannes aber hat bisher nur kleine Stücke bearbeiten müssen, die schon Mühe genug machen. Aber dieser Riese!

Ich drehe die Zeit ein bisschen zurück. Vielleicht hundert, vielleicht zweihundert Jahre, möglicherweise noch länger hat dieser stolze Baum an dieser Stelle gestanden. Gewissermaßen ein Wahrzeichen von Gross-Okandjou, das sicher eine Menge Geschichten über diesen Platz und sein Leben drumherum erzählen könnte. Wahrscheinlich auch nicht nur gute. Wir kennen ihn jetzt 35 Jahre und mussten mit ansehen, wie er langsam seine Lebenskraft verlor. Seit über zehn Jahren hatte er kein grünes Blatt mehr. Dass es soweit kam, hat hoffentlich keine Symbolkraft für Gross-Okandjou. Es ist aber auf jeden Fall ein Zeichen dafür, wie der Grundwasserspiegel im ganzen Land Jahr für Jahr absinkt. Unser Kameldornbaum ist nicht der einzige in Namibia, der dieses Schicksal erleidet oder schon erlitten hat.

Zurück zum aktuellen Alltag. Johannes nahm die Herausforderung an, weil er auch sah, dass der tote Riese die Hauptdurchfahrt auf der Farm versperrt. Eine ähnliche Situation hatten wir auch schon mal in einem Rinderkral am Haus. Dort aber mussten wir nicht testen, wann die Sägen – auch die Motorsägen – ihren Geist aufgeben. Diesem nicht ganz so dicken Stamm kann man ausweichen. Mit einer normalen Seilwinde sind diese Tonnen aber auch nicht zu bewegen.

Johannes griff zuversichtlich zu Bogensäge und Beil. Und mit der den Afrikanern eigenen Geduld und natürlich auch Ausdauer – von Kraft gar nicht zu reden – schaffte er es tatsächlich. Zumindest für die Durchfahrt eines Pkw reicht es wieder.

Wie es mit unserem Kameldornbaum weitergehen soll, wissen wir noch nicht. Was wir wissen ist, dass er wohl kaum von diesem Platz wegzubewegen sein wird. Also könnte er als eine Art Denkmal dienen. Als ein Denkmal für die Kraft und Ausdauer eines Lebens, das dann doch eines Tages zu Ende ist. Als Mahnmal möchte ich ihn dann aber doch nicht verstehen. Vielleicht finden wir ja einen Künstler mit Kettensäge und Geduld, der ihm wieder zu einer Art von neuem Leben erweckt. Dann liegt er wahrscheinlich wieder für mehrere  hundert Jahre dort und kann vielen Generationen Geschichten von diesem Platz – von Gross-Okandjou – erzählen. Hoffentlich auch gute…

 

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