In Zeiten wie diesen…

…muss man sich eben was einfallen lassen. Dort, wo Johannes und Hermann normalerweise das Wildfleisch wiegen, hängt jetzt ein Eimer Holz. Ja, was macht der denn da? Na, gewogen wird er. Holz ist zwar längst nicht so einträglich wie Fleisch, aber gefragt ist es auch. Normalerweise würden wir nie auf den Gedanken kommen, dieses phantastische Holz zu vermarkten. Wir sind selber froh, wenn wir es zum grillen im Veld zusammengesucht haben. Aber jetzt?! Schon in der „Stadt“ Omaruru ist Holz seit eh und je knapp. Und schließlich wird ja nicht nur auf den Farmen gegrillt, wo Holz zu finden ist. Also, es gibt einen Markt für dieses Holz, das dem Fleisch ein einzigartiges Aroma verpasst. Erst haben wir gezögert, ob wir überhaupt genug Holz zum verkaufen haben. Wir sind aber in der glücklichen Lage, dass wir mehrere Riviere – also Trockenflüsse – auf der Farm haben, in deren Bereich Bäume wachsen, die uns immer wieder reichlich Totholz liefern. Einen Kameldornbaum zu diesem Zwecke zu fällen – auf diesen Gedanken kämen wir nie.

Wenn schon die Gäste zwangsläufig wegbleiben, muss man eben Ideen haben. Alina hat sie. Mit ihnen kann man zwar nicht monatelang Gross-Okandjou am Leben erhalten, aber sie sind ein Hoffnungsschimmer. Manche werden vielleicht sagen, das sei Beschäftigungstherapie. Es ist aber das Selbstverständlichste von der Farmwelt, dass man sich Gedanken darüber macht, womit man aus eigener Kraft einen Mehrwert schaffen kann, ohne der Umwelt zu schaden oder Resourcen zu verschwenden – siehe Holz! Essen geht immer, wenngleich die Coronalage die Vermarktung erschwert. Aber es gibt ja die Onlinemöglichkeit. Alinas Spezialitäten sehen nicht nur lecker aus, sie schmecken auch. Eigentlich kein Wunder, denn unsere Gäste haben sich noch nie über unsere Küche beklagt.

Wer jetzt meint, dass man dafür auch Zeit braucht, der hat Recht. Nicht Recht hat er, wenn er meint, dass man zu Coronazeiten ohne Gäste auf einer Farm wie der unsrigen ja sicher Zeit im Überfluss hat. Irrtum. Die Routinearbeit läuft auch ohne Gäste weiter – Rinder und Pferde betreuen und Zäune reparieren z.B. Leider aber auch Wilderern immer auf der Spur sein.

Da gibt es dann aber doch Arbeiten, die wie Beschäftigungstherapie anmuten. Im Januar hatte ich noch geschrieben, dass Niemand die Absicht hat, eine Mauer zu bauen. Und jetzt gibt es schon wieder eine. Dass darüber die Meinungen in unserer Familie auseinander gehen, muss man nicht verheimlichen. Auch bei unseren Gästen werden die Meinungen sicher unterschiedlich sein. Das Beste ist, sie machen sich selber ein Bild – sobald es wieder möglich ist. Ihr seht schon, wir buhlen um Gäste, um das schreckliche 2020 überwinden zu können.

Eines ist sicher – Nieke hat zumindest das Bauen der Mauer Spaß gemacht, und Hermann hat sich über die „tatkräftige“ Hilfe gefreut.

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