Der ganz andere Juli

Keine Gäste, keine Einnahmen, Bewegungsbeschränkungen – das ist ein ganz anderer Juli auf Gross-Okandjou. Auch schon mal beschaulich, friedlich aber dennoch nie langweilig. Dafür sorgen schon die, die Beute machen wollen. Es sind die Zweibeinigen, die jetzt nicht nur wildern, um Kasse zu machen, sondern durch Corona auch in Not geraten sind. Und es sind die, die hier natürlich dazu gehören – die Vierbeinigen. Verluste schmerzen jeden Farmer – uns selbstverständlich auch. Für die Vierbeiner hatten wir immer Verständnis. Bei den Zweibeinern unterscheiden wir deutlich zwischen denen, die eben vor allem Kasse machen wollen und denen, die Hunger haben. Wilderei ist ein Verbrechen und nicht akzeptabel. Dennoch fragen wir uns gelegentlich, was wir machen würden, wenn unsere Familie Hunger leidet. Eine Gemsbokkeule lindert nicht die soziale Not in Namibia, aber sie hilft ein paar Tage. Zur Zeit allerdings haben wir selbst große Probleme, Beute zu machen. Unsere Arbeiter, die Anspruch auf ihre Fleischrationen haben, warten seit Wochen.

Man könnte beinahe den Eindruck haben, dass auch die Raubkatzen sich schwer tun, ihre normale Beute zu erjagen. Ein Leopard wagte sich dieser Tage bis auf wenige Meter in die Nähe des Farmhauses, und attackierte unsere jüngstes Fohlen Banana Gold in der Nacht.

Unerfahrenheit des Leoparden, Glück oder der Einsatz der Stute Caramella? Wir wissen es nicht genau. Auf jeden Fall ist Banana Gold mit ein paar tieferen Schrammen davon gekommen. Caramella ging es ebenso. Was für ihren Einsatz spricht.

Corona hat so Einiges durcheinander gebracht. Unsere Freundin Doris wollte uns wieder mal für einige Wochen bei der Betreuung unserer Gäste helfen. Aber welche Gäste? Es gibt ja keine Flieger, die sie hätten bringen können. Und keine Flieger, die wieder zurück nach Deutschland fliegen. So wurden aus Wochen Monate und es blieb genug Zeit zum entspannen. Doris hat es sich verdient. Sie war auch schon zu Zeiten bei uns, als Hochbetrieb war.

Und da hatten wir noch ein zweites „Coronaopfer“ – Mona. Unsere Praktikantinnen bleiben normalerweise drei Monate. Aber auch für Mona gab es kein pünktliches Zurück. Die Pferde haben sich gefreut und wir natürlich auch – vor allem Nieke.

Schließlich gab es doch noch ein glückliches Ende. Beide Mädels – Doris und Mona – sind Mitte des Monats mit einer Sondermaschine heil in Deutschland angekommen. Wir hätten nichts dagegen gehabt, wenn sie noch länger geblieben wären.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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