Auf frischer Tat

Sie haben uns wochenlang terrorisiert und waren sich ihrer Sache wohl zu sicher. Sie haben den Fehler gemacht, dass sie auf unsere und auf Nachbarfarmen immer auf die selbe Weise und immer an ähnlichen Stellen eingedrungen sind, um zu wildern. Sie kamen am späten Abend mit einem weißen VW-Bus, ließen sich an der Uispad absetzen und kletterten mit ihren Hunden durch den Zaun. Das machte es uns leichter, einen erfolgversprechenden Plan zu machen. Wir, das waren benachbarte Farmer und das Einsatzteam der Bürgerwache von Omaruru. Die Polizei hatten wir sicherheitshalber nicht informiert, weil von dort nicht mit viel Unterstützung zu rechnen ist. Schlimmer noch, wir befürchten, dass es dort Mitwisser gibt. Denn wenn wir unsere Aktionen angemeldet hatten, war die Nacht ruhig.

Nach drei durchfrorenen Nächten waren wir schließlich in der Nacht vom 12. auf den 13. September erfolgreich. Unser Plan ging auf. Wir hatten verabredet, dass wir den VW-Bus abwarten und nur beobachten, wie die Wilderer ans Werk gehen. Wir wollten ganz sicher gehen, dass wir sie mit Beute und anderen Beweismitteln schnappen. Von zurückliegenden Fällen wussten wir, wie schwer es ist, Beweismittel zu sichern und die Staatsanwaltschaft davon zu überzeugen, dass die Täter auch überführt werden können. Im aktuellen Fall haben sie das eigentlich selbst getan. Dazu aber später.

Der Bus hat die Wilderer so gegen 21 Uhr abgesetzt. Sie stiegen diesmal wieder über unseren Zaun. Es dauerte nicht lange, bis wir die Hunde hörten. Sie hatten einen Oryx gestellt. Die normale Reaktion wäre zwar, dass man die Tat verhindert, aber dann hätte es wieder an Beweismitteln gefehlt. Also warteten wir. Stundenlang. Dann endlich gegen vier Uhr morgens kam der VW-Bus wieder aus Richtung Omaruru. Vorbereitet war eine Straßensperre vor Omaruru. Auch in Richtung Okombahe hätten sie nicht entkommen können. Nachdem vier Wilderer, vier Hunde und der getötete Oryx eingeladen waren, fuhr der Bus in hohem Tempo Richtung Omaruru.  Jetzt konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Eigentlich.

Der Fahrer – angeblich von den Wilderen dazu gedrängt – durchbrach aber die Straßensperre und raste weiter in Richtung Omaruru. Das Einsatzteam hinterher. Irgendwann verlor der Fahrer die Nerven und die Gewalt über das Fahrzeug.

Der Rest war Routine. Handschellen und ab aufs Polizeirevier. Jetzt konnten die möglichen Mitwisser dort kaum noch helfen. Das wäre aufgefallen. Trotzdem mussten die Reservepolizisten der ODW den eigentlichen Job machen. Unter ihnen übrigens Niekes Vater Gunnar, auf den sie stolz sein kann.

Wichtig war u.a. die Sicherung der Fußspuren. Wie sich beim Vergleich herausstellte, waren mindestens drei der fünf Schuhsohlen identisch mit den Spuren, die wir seit Wochen bei uns gefunden hatten. Nachweislich fünf Oryx haben sie bei uns gewildert. 18 auf einer Nachbarfarm.

So, das war die spannende Story. Noch spannender ist aber eigentlich, was passiert jetzt? Bisher sind die Wilderer auf Kaution frei gekommen und von einer erfolgreichen Verurteilung war selten etwas zu hören. In unserem aktuellen Fall haben die Wilderer und der Fahrer die Tat zugegeben. Juristisch verändert das offenbar die Situation. Wenn sie eine Strafe von N$ 2.000 bezahlen – keine Kaution – kommen sie vorerst frei. Wenn sie sie nicht bezahlen, müssen sie für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Wo sie jetzt wirklich sind, konnte ich bisher nicht erfahren. Für normale Polizeiarbeit gibt es da interessante Ansatzpunkte. Denn wenn bezahlt wurde, wer hat bezahlt? N$ 10.000.- bringen normale Wilderer nicht so einfach auf. Die Omaruru District Watch zumindest geht davon aus, dass hinter dieser großangelegten Wilderei eine Art Syndikat steckt. Was ist z.B. mit dem Besitzer des Fahrzeugs? Er war nicht gefahren und behauptet, von Nichts zu wissen. Das hat der Polizei gereicht, um ihm sein Fahrzeug zurückzugeben. Bei so einer Lage fragt man sich dann schon, ob unsere Bemühungen überhaupt einen Sinn machen. Räuber und Gendarm nur aus Freude am Spiel zu spielen – aus dem Alter bin ich raus. Und es kann ja auf Dauer auch nicht sein, dass wir die Rolle der Polizei übernehmen. Passiert dabei ein Missgeschick – und das hat es schon gegeben – bist Du plötzlich der Täter und musst dich wundern, wie engagiert die Polizei plötzlich sein kann. Es gibt leider schon einige Beispiele für umgekehrten Rassismus. Ob man das eventuell verstehen muss, diskutieren wir mal ein anderes Mal. In unserem Fall werde ich sofort berichten, wenn es Neuigkeiten gibt.

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