Einer gegen Alle

Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen und zum Glück auch noch fotografiert hätte – ich würde es nicht glauben. Ich erlebte dieser Tage das Dramatischste, Packendste aber auch Anrührendste, was mir die Natur Afrikas bisher geboten hat. Und das ist nicht wenig. Besonders beeindruckt  mich immer wieder das einmalige Sozialverhalten der Elefanten. Das aber war völlig anders. Ein  kleiner Honigdachs – maximal 15 kg schwer – legte sich gleich mit mehreren Warzenkeilern an, die bis zu 70 kg auf die Waage brachten.

Warum er das tat, wurde mir leider nicht ganz klar. Es gab drei Möglichkeiten dafür: Es konnte ein Kampf um den letzten Tropfen Wasser sein, oder er wollte sich eines der kleinen Frischlinge schnappen. Am ehesten glaube ich allerdings, dass er einfach ein unglaubliches Kämpferherz hat und sich von den grauen Brummern nicht den Schneid abkaufen lassen wollte. Wer die Auseinandersetzung begann, war nicht ganz deutlich.

Sicher ist aber, dass der Dachs immer wieder in die Offensive ging. Da konnte passieren was wollte. Er flog mehrfach durch die Luft, humpelte bald und hatte eine blutende Verletzung am Hals.

Das Alles hielt ihn nicht auf. Er attackierte immer wieder, legte zwar kurze Verschnaufpausen ein, um seine Wunden zu lecken bzw. mit Sand abzudecken, dann aber ging es wieder vorwärts, bis es ihm schließlich gelang, Stück für Stück die Keiler zum Rückzug zu bewegen. So sah es wenigstens aus. Manchmal nahmen sie sogar reißaus.

 

In Wirklichkeit wird es wohl so gewesen sein, dass die Keiler schließlich einer nach dem anderen die Wasserstelle erobert und die Menge getrunken hatten, die sie brauchten, um zufrieden von dannen zu ziehen. Verletzungen waren bei ihnen keine zu entdecken. Wie auch? Dafür ist ihre körperliche Überlegenheit zu groß. Außerdem hat sich der mutige kleine Kerl gerade eines von den afrikanischen Tieren als Gegner ausgesucht, die ebenfalls für ihre Kampfmoral bekannt sind. Und bei mir sind sie am Ende auch noch wegen ihres Sozialverhaltens in der Achtung gestiegen. Denn zum Schluss noch hat sich eine Szene abgespielt, in die ich möglicherweise ein bisschen hinein interpretiere, aber eigentlich lässt sie keine andere Deutung zu. Ich sprach ja schon von den Frischlingen – es waren übrigens fünf von einer Bache – die standen immer noch mit ihrer Mutter in respektvoller Entfernung von der Wasserstelle. Weder Bache noch Frischlinge hatten bis jetzt einen Tropfen ergattern können.

Als alle großen Keiler weg waren, blieb ein kleinerer – ich nenne ihn den jungen Kavalier – übrig, ging zu der wartenden Bache, tauschte ein paar Worte mit ihr aus – ja, genau so sah es aus, als ob er ihr gesagt hat: Pass auf, ich erledige das für dich! Und das tat er dann auch tatsächlich. Er stellte den Honigdachs nahe der Wasserstelle und lieferte im  ein letztes, heftiges Gefecht. Nach wieder mutigem Widerstand gab der Dachs dann doch nach und trollte davon. Zwischendurch war ich immer wieder kurz davor, durch einen Warnschuss dem Ganzen ein Ende zu bereiten und dem Dachs möglicherweise das Leben zu retten. Irgendwie war ich mir aber sicher, dass er das nicht gewollt hätte.

Apropos Sozialverhalten der Warzenschweine: Der junge Kavalier hatte zwar sein Versprechen eingelöst, ging aber trotzdem erst einmal vor der Bache und den Frischlingen an die Tränke. Die allerdings bekamen dann doch noch genug ab. Nach gut einer halben Stunde leerte sich die Freilichtbühne und wer erschien, quasi um sich den Aplaus abzuholen? Der Dachs natürlich! Schwer angeschlagen, aber offensichtlich nicht lebensbedrohlich verletzt. Er ging zum Wasser, buddelte mal hier und mal da, legte sich in eine Sandkuhle wie in ein Krankenbett und war ausschließlich nur noch mit sich selbst beschäftigt. So sehr, dass ich mich bis auf zehn Meter an ihn heranpirschen konnte, um dieses Foto zu machen.

Noch mehr Fotos von diesem einmaligen Naturerlebnis findet ihr  in der Fotogalerie unter „Tierwelt“.

 

 

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2 Antworten auf Einer gegen Alle

  1. Sebastian Jung sagt:

    Tolle Bilder und eine packende Geschichte! Es macht immer wieder Spass auf Gross-Okandjou.de vorbeizuschauen. Vielen Dank!
    Viele Grüße
    Sebastian Jung

  2. Bernd Krabbe sagt:

    Beeindruckende Bilder, die wären doch auch was für die JWW.

    Euer neuer Internetauftritt ist klasse.

    Liebe Grüße auch von Sille und den Kindern
    Bernd

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